JÜL – Jahrgangsübergreifendes Lernen

Die Unterschiede in Entwicklungsgrad und Lernstand zwischen den Kindern, selbst des gleichen Geburtsjahrgangs, sind sehr groß – und haben sich in den letzten Jahren ständig vergrößert. Daher stößt der herkömmliche Unterricht im Rahmen von Jahrgangsklassen zunehmend an seine Grenzen. Ein erfolgreicher Weg, den unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden, ist das »jahrgangsübergreifende Lernen« (JÜL).

Anders als in der üblichen Jahrgangsklasse sind Kinder in JÜL-Gruppen altersmäßig gemischt. Sie arbeiten ihren Fähigkeiten entsprechend an verschiedenen Unterrichtsmaterialien. Ein in Mathematik begabter Junge kann schon Mathematikthemen der Klasse 4 bearbeiten, obwohl er altersmäßig erst in der dritten Klasse wäre. Leistungsstarke Kinder profitieren davon, schwächeren Kindern zu helfen. Denn: Nur wer eine Sache wirklich begriffen hat, kann sie einem anderen erklären.

Die »Relli« baut das Lernen in jahrgangsgemischten Lerngruppen seit Sommer 2004 systematisch aus. Derzeit haben wir in der Grundstufe mit den Jahrgängen 1, 2 und 3 neun Lerngruppen und in der Unterstufe sieben Lerngruppen mit den Jahrgängen 4, 5 und 6.

Vorschule

Ins Schulleben vollintegrierte Vorschulklassen

Die Vorschule der Schule Rellinger Straße arbeitet nach den Hamburger Richtlinien für Vorschulklassen. Vorschulklassen werden als eigenständige Lerngruppen geführt und von Sozialpädagoginnen geleitet. Diese bereiten die Kinder ein Schuljahr lang auf den Übergang in eine jahrgangsübergreifende Lerngruppe Jg.1-2-3 vor. Sie nehmen aktiv am Schulleben teil und sind auch in der SchülerInnenkonferenz vertreten.

In der Vorschule lernen die Kinder, sich in einer neuen Gruppe einzuleben, neue Freundschaften zu schließen und Spiel- und Lernpartner zu finden. Der Tagesablauf ist rhythmisiert. Er beinhaltet Spiel-, Arbeits- und Gestaltungsphasen. Zwei große Pausen, in denen sich die Vorschulkinder mit den anderen Schülern auf dem Schulhof aufhalten, trennen die einzelnen Phasen.

Die Spielangebote sind so gestaltet, dass sich vielfältige Möglichkeiten bieten, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen, allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Die Lernangebote bereiten den Unterricht der nachfolgenden Lerngruppen inhaltlich und methodisch vor, wobei dem Entwicklungsstand des einzelnen Kindes Rechnung getragen wird.

Zu den Angeboten gehören außer vorbereitenden Übungen und Materialien für Deutsch und Mathematik auch Musik, Sport, Bildgestaltung und Holzwerkstatt. Lerngruppenübergreifende Angebote sind u.a. unsere Feste, die Schülerbücherei, der Boxraum und die Kinderkonferenz.

Die Vorschulkinder werden zu Schuljahresbeginn eingeschult und gehören somit zur Schule Rellinger Straße. Ein Übergang in den Jahrgang 1 erfolgt jedoch im Rahmen des üblichen Aufnahmeverfahrens.

Grundstufe – Jahrgang 1/2/3

Ein gelungener Start

Die eingeschulten ErstklässlerInnen machen jeweils ca. ein Drittel jeder Lerngruppen aus und werden von den erfahrenen Lerngruppenkindern beim Schuleinstieg unterstützt. Die Erfahrung zeigt, dass sich bis zu den Herbstferien die neuen Kinder mit allen Regeln und Abläufen vertraut gemacht haben – die Kinder sind angekommen.
Der Unterricht erfolgt zum überwiegenden Teil als Werkstattunterricht, bei dem die Kinder aus einer Vielfalt von Angeboten auswählen können. In einzelnen Fächern und Bereichen gibt es jahrgangsbezogenen Fachunterricht.

Struktur

Mit der Einschulung in die Grundstufe erhält jedes Kind seine eigene „Planungsmappe“. In dieser findet es Arbeitskarten mit Aufträgen, die die geforderten Inhalte der Fächer Deutsch und Mathematik für die Lernzeit der Grundstufe abbilden. Es gibt zusätzlich Arbeitskarten mit Angeboten zur Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit, zum Knobeln und mit Angeboten für verschiedene weitere Lernbereiche.

Kinder können von Anfang an selbstständig Aufgaben aus diesem Programm auswählen, die fortlaufend durch schwierigere oder weiterführende Aufgaben ergänzt, aber auch im ganz eigenen Tempo bearbeitet werden. Beraten werden sie dabei bei Bedarf von erfahrenen Kindern und von der Lehrerin.

Ab Beginn der Grundschulzeit gehört zum Unterrichtsangebot der Englischunterricht mit regelmäßigen kleinen Spielen, Liedern und sonstigen Übungen. Ab Jahrgang 3 erhalten die Kinder wöchentlich 3 Stunden Fachunterricht von dafür speziell ausgebildeten Lehrkräften.

Es finden zudem Projekte zu Themen aus dem Sachunterricht statt. Dabei werden entweder Forschergruppen gebildet oder es wird in den bestehenden Lerngruppen gearbeitet. In der Projektzeit arbeiten die Kinder u. a. zu Themen wie „Luft“, „Schwimmen und Sinken“ oder „Unser Stadtteil“.

Forschen, Experimentieren, Informationen einholen und mit anderen auswerten, Ergebnisse mit verschiedenen Medien präsentieren, Vorträge halten, in die Rolle einer anderen Person hineinschlüpfen – alles das sind Methoden und Herangehensweisen, die den Kindern die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema ermöglicht. So werden physikalische Phänomene wirklich erlebbar, interessant und „begreifbar“.

Unterstufe – Jahrgang 4/5/6

Längeres gemeinsames Lernen

Nach Abschluss des Jahrgangs 3 wechseln die SchülerInnen in eine Lerngruppe 4/5/6. Für das Lernen der Kinder wird ihnen eine Lernumgebung zur Verfügung gestellt, in der sie ihr eigenes Lernen mehr und mehr selbst steuern. Dabei werden sie eng von den Lehrkräften betreut und immer wieder beraten.

In der Unterstufe starten sie ganz neu mit dem „Logbuch“. Dies dient der individuellen Lernplanung und -reflexion. Wöchentlich wird festgehalten, was sie als ihr Arbeitspensum selbst planen und kontrollieren (lassen) können. Das Kerncurriculum für Deutsch und Mathematik wird in Form von Checklisten abgebildet.

Ab dem Jahrgang 6 können die Kinder eine zweite Fremdsprache wählen: Französisch oder Spanisch. Fachkräfte aus den Kooperationsschulen erteilen jeweils wöchentlich 5 Stunden diese zweite Fremdsprache. So können die Kinder beim Wechsel auf das Gymnasium oder die Stadtteilschule ihre gewählte Sprache fortführen.

Die Arbeit in Projekten wird in den Jahrgängen 4/5/6 auf 10-12 Wochenstunden ausgeweitet. In diese Projekte sind Fächer wie Gesellschaft, Natur und Technik, Biologie, Geografie, Kunst, Deutsch und Religion integriert. Die Projektzeit für ein Projektthema erstreckt sich über mehrere Wochen und endet jeweils mit einer Präsentation, einem Produkt, einem Test oder auch mit einem Fest. Die Projekte der Unterstufe ziehen sich durch das gesamte Schuljahr und werden im kollegialen Austausch gemeinsam geplant, vorbereitet, durchgeführt und überprüft. Die Themenverteilung umfasst den Zeitraum von drei Jahren, also der gesamten Unterstufe, sodass jedes Kind alle Projekte der Unterstufe durchlaufen kann.

Besonderes Highlight ist die jährliche Präsentationsveranstaltung für die ganze Schulgemeinschaft, bei der die Kinder sich als wahre Experten ihres Themas zeigen. Mit großer Sachkenntnis halten sie Vorträge unterstützt durch selbst erstellte Präsentationen oder Modelle.

Für unsere SchulabgängerInnen nach Jahrgang 6 haben wir Kooperationen mit der Stadtteilschule Stellingen, dem Albrecht-Thaer Gymnasium und dem Gymnasium Hoheluft.

 

Weiterführende Kooperationsschulen

Die Kooperation mit den weiterführenden Schulen – ein großer Vorteil für eine stabile Schullaufbahn

Ein wichtiger Baustein des längeren gemeinsamen Lernens ist die Kooperation der Schule Rellinger Straße mit drei weiterführenden Schulen aus dem Stadtteil: der Stadtteilschule Stellingen, dem Albrecht-Thaer Gymnasium sowie dem Gymnasium Hoheluft. Warum ist dies wichtig für eine erfolgreiche Schullaufbahn?

aus Sicht der Kinder und Eltern:

  • Eltern und Kinder kennen die Kooperationsschulen durch Informationsabende, Schulbesuche und den Einsatz von Lehrkräften an der Schule Rellinger Straße.
  • Der Schulplatz an der weiterführenden Schule ist gesichert, zum Teil sogar garantiert.
  • Es gibt einen Austausch mit den Kooperationsschulen über Methoden, besondere Projekte und insbesondere über die Kinder.
  • Ein Wechsel an die weiterführende Schule garantiert einen Verbleib an dieser Schule. Nach Jahrgang 6 wird nicht mehr „querversetzt“.
  • Das längere gemeinsame Lernen liefert ein umfassendes Lern- und Leistungsprofil des Kindes. Mitte Jahrgang 6 werden von der Zeugniskonferenz verbindliche Einschätzungen zur weiteren Schullaufbahn getroffen und im Zusammenhang mit dem Halbjahreszeugnis mitgeteilt. Die Entscheidung, ob der Schulbesuch an einem Gymnasium fortgesetzt wird, liegt bei der Zeugniskonferenz am Ende des Jahrgangs 6 und ist mit den Beschlüssen der Zeugniskonferenzen an allen weiterführenden Schulen gleichzusetzen.
  • An die Kooperationsschulen wechseln immer Schülergruppen, die Kinder kennen sich untereinander und Freundschaften können weiter gelebt werden.
  • Eltern beraten Eltern und berichten von Erfahrungen.

Aus Sicht der Schulen:

  • Die Zusammenarbeit und Verzahnung mit den Kooperationsschulen ermöglicht Synergien. Schulen, die sonst ohne weitere Berührungspunkte nebeneinander existiert haben, lernen sich besser kennen, tauschen Ideen, Personal und Know-How aus. Man lernt voneinander.
  • Bildungsverläufe werden längerfristig betrachtet und begleitet durch persönliche Rückmeldungen unter den Lehrkräften aber auch durch die wissenschaftliche Begleitung.
  • Es gibt eine gemeinsame Verantwortung für eine Schullaufbahn ohne Brüche von der abgebenden und der aufnehmenden Schule.

Wie sieht das im Alltag aus?

  • Im Laufe des sechsten Schuljahres besuchen die Schülerinnen und Schüler der „Relli“ die Kooperationsschulen. Sie besuchen den Unterricht der sechsten und siebten Klassen an diesen Schulen und bekommen einen Einblick in den Alltag an diesen Schulen.
  • Die Schülerinnen und Schüler nehmen teil an besonderen Angeboten wie dem NaWi-Nikolaus am Gymnasium und dem jährlichen Segelprojekt der Stadtteilschule.
  • Wir interviewen ehemalige SiebtklässlerInnen an ihren Schulen und werten die Ergebnisse systematisch aus.
  • Die zweiten Fremdsprachen Spanisch und Französisch werden von Fachlehrkräften aus den Kooperationsschulen unterrichtet.